“Unbesungene Helden” des Widerstandes gegen die Nazis

Viele Deutsche waren gegen die Nazis - einfach deshalb, weil sie die Nazis aus poltischen und/oder humanitären oder humanistischen Gründen ablehnten. Viele wußten schon am 30. Januar 1933, was kommen würde, andere brauchten länger. Vielen mißfiel das Rabaukentum, das jeden Tag auf den Straßen zu sehen war - andere sahen, daß es eine absolut rechtlose Bande war, die da von Staat und Gesellschaft Besitz ergriff: mit Billigung der gesellschaftlich tragenden Schichten und Elemente. Mit Billigung der Wirtschaft, der Reichswehr, der Kirchen, des Beamtentums, der Justiz, der Universitäten. Den Kräften der Linken war schon lange klar, was da kommen würde: eine Zeit völliger Rechtlosigkeit, eine Zeit, in der Linke und Demokraten und Juden böse verfolgt werden würden - und sie sahen die Kriegsgefahr.
Doch keiner konnte ahnen, was dann wirklich kam: die Linken glaubten es nicht, die Juden auch nicht - und die konservativen Kräfte meinten, Hitler würde nach ihrer Pfeife tanzen. Während sie selbst autoritär die Macht ausüben würden. Doch alles kam ganz anders. Dank der unvorstellbaren Zielorientiertheit und der grenzenlosen Gewalt, einer immer wieder überraschenden Wucht, mit der die Nazis ihre Pläne umsetzten, knickten auch alle Teile des Bürgertums wie der rechtsstaatlichen Ordnung ein, die am 30. Januar noch vorhanden waren. Spätestens nach dem sogenannten Röhm-Putsch war die Macht der Nazis (und von Hitler persönlich) absolut gefestigt.
Der zunächst so sichtbare Terror auf den Straßen ging zurück - die Brutalität, mit der die Gegner bekämpft wurden, verlagerte sich in das Gesetzbuch, in die KZs, in die Gestapokeller.
Der kleine Mann auf der Straße mußte zusehen, daß er nicht auffiel - aber viele andere marschierten kräftig mit, wollten auch bei den Siegern sein, ließen sich emotional anstecken und einseifen vom großen Geschwafel über die Volksgemeinschaft, über Arbeit für alle... und sahen gern, daß die Beschränkungen von Versailles Zug um Zug ausgehebelt wurden. Das Ausland schwieg zu allem - niemand klopfte Hitler auf die Finger: wegen seiner Vertragsbrüche, wegen der rechtlosen Zustände im Reich, wegen der Verfolgung der Linken oder der Juden.
Mit dem Kriegsbeginn wurde alles noch schlimmer, die Terrorherrschaft noch absoluter. Und die Verfolgung der Juden, der deutschen wie der europäischen, griff immer mehr um sich.
Die Gefahr der Juden für Leib und Leben wurde immer größer. Da gab es Menschen, einfache Leute vor allem, “gewöhnliche Deutsche” sagt man heute, die Juden halfen - unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Darüber wird geforscht - schon wieder, gewissermaßen. Der Bundespräsident hat mittlerweile 250 dieser “unbesungenen Helden” (nach dem Titel eines Buches des jüdischen Autors Kurt Grossmann, Berlin 1957) mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die FR veröffentlicht in einer Dokumentation vom 20.7.01 einen Aufsatz von Beate Kosmala (Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin) unter dem Titel “Es blieb nur die Kranzschleife ‘Meiner Lebensretterin’”, in dem die Autorin nicht nur diese Forschungsergebnisse erneut bekannt macht, sondern sich in eigenartiger Weise, Unverständnis wie Unwilligkeit zunehmend bekundend, mit dem Thema auseinandersetzt. Sie kommt dann zu einem verblüffenden Ergebnis. Nach ihrer furiosen Beweisführung - nämlich der Interpretation der Taten der Unbesungenen Helden - erkennt sie: “Die Retter ... haben Aussagen von Zeitgenossen, man habe nichts gewußt und nichts tun können, als Ausflucht enthüllt. Sie sollten ins Zentrum der Widerstandsgeschichte gerückt werden.” Mit anderen Worten: hätten “die” Deutschen nur ein wenig Zivilcourage aufgebracht, wären die Juden gerettet worden. Aber so.... Da schließt sich dann der Kreis der “Forschung”: alle Deutschen aus der Zeit der 1000 Jahre taugen nix. Fakten spielen da keine Rolle: man kann sie auch ganz anders interpretieren.

Das sehe ich, in meinem Verständis der Nazizeit, ganz anders. Ich habe der Autorin geschrieben. Den Artikel von Beate Kosmala finden Sie im Internetauftritt der FR. Oder hier.

29.7.01

Nach dieser ganzen Affäre mit den “unbesungenen Helden”, also mit dem Institut für Antisemitismusforschung Berlin, frage ich mich wirklich, wofür Wissenschaft über das Dritte Reich eigentlich gut ist, wenn das Ergebnis die Bestätigung einer vorgefaßten Meinung ist: “alle Deutschen waren (sind??) schlecht”.
Es ist ein Trauerspiel. Aber lesen Sie ruhig weiter. Sagen Sie mir, wenn Sie meinen, daß ich mich irre!
29.10.2001

Das “Institut für Antisemitismusforschung Berlin” leistet sich ganz selbstverständlich - und selbstherrlich - so richtige Klöpse. Doch lesen Sie selbst.