"Hitlers
Krieger" - Die Kritik vom 26.11.98 (FR)
Da ist Matthias Arning ja eine wichtige Erkenntnis gelungen: "die jungen Landser an irgendeiner Front" trifft also, da sie Teil der "vielen Anderen da unten" waren, die gleiche Schuld an den Verbrechen der Wehrmacht, der Nazis, des Dritten Reiches? Völlige Einheit von unten und oben? Von Tätern und Opfern also? Warum spricht der Autor nicht aus, was er offenkundig meint: "die jungen
Landser" hätten doch widersprechen und damit vermutlich den Krieg verhindern können? Das deckt sich auf gar nicht mehr verblüffende Weise mit anderen "Analysen" von nachgeborenen Besserwissern: 1. alle Deutschen waren Nazis und haben begeistert von 1933 an Heil gebrüllt und die Nazis in "freien" Wahlen an die Macht gebracht (oft kolportiert, stimmt aber immer noch nicht); 2. "die" Deutschen sind über ihre jüdischen Nachbarn hergefallen
(1938); 3. "die" Deutschen haben nur darauf gewartet, daß Hitler ihnen die Möglichkeit gab, Juden zu killen (Goldhagen); und 4. "die Gestapo war gar nicht so schlimm". Daß selbst Gestapo und SD definitiv wußten, daß fühlbare Teile des Volkes durchaus nicht auf der Seite des Nazi-Staates standen, muß dann keine Rolle mehr spielen. Die Opfer unserer Menschen in den Gestapokellern, unter den Fallbeilen, in den "Bewährungseinheiten" und vor den
Erschießungspelotons, an den Fleischerhaken und am gewöhnlichen Strick aufgehängten Kämpfer für eine bessere Gesellschaft werden heute mit fester Hand abgeschrieben? Auf Null. Da dürfen auch 30.000 Standgerichtsurteile, von denen 20.000 vollstreckt wurden, nicht irritieren. Unsere Leute werden noch einmal getötet. Ja, wenn unsere Väter und Onkel selbst daran schuld sind, daß sie einfach so in einen Krieg gezogen sind... So wird die alles entscheidende Trennungslinie
verwischt: Täter und Opfer in einen Pott - die Verantwortung der Eliten des Weimarer Staates in Wirtschaft, Justiz, Verwaltung und Reichswehr am Niedergang der Republik und am Aufstieg der Nazis wird gestrichen: "die" Deutschen haben das ja alles selbst gewollt. Von Anfang an. 4.12.1998: dieser Leserbrief fand selbstverständlich nicht die Gnade der FR-Redaktion. |