Der Stratege. Der Hühnerhof. Und die Heilige Johanna. Alles in Hessen. Landtagswahl genannt, "Kampf" um's Ganze. Vorgeblich. Der Stratege, der einzige in Hessen agierende, hat seine Truppen in den Wahlkampf geführt - schlecht munitioniert (unsägliche Schulpolitik), mit den falschen Trommeln auf den Weg geschickt (alles Mögliche versprochen und nix gehalten) und schlecht angeführt durch den Feldherrn persönlich (mal wieder Ausländer-Kampagne) - und alles versiebt. Bis zuletzt auf hohen und stolzen Rossen. Wie anders da seine Gegner, die er nie Ernst genommen hat: eine verzagte Truppe, innerlich zerrissen, von ihren einstigen Idealen klaftertief entfernt, nicht so recht wissend, für welche politischen Ziele man denn wohl fechten sollte - außer um den Feldherrnhügel. Kein Gedrängel bei der Kür des Wahl-Herzogs - so durfte die Heilige Johanna Andrea ans Werk. Sie machte ihre Sache erstaunlich gut: menschliches Auftreten, klare Worte, keine großen Gesten, kein falsches Gedöns. Eben ein ehrliches Gesicht. Und dann die entscheidende Schlacht - sie wogte hin und her, der Stratege schien völlig verloren, die Heilige Johanna begann an das Unvorstellbare zu glauben - den Sieg für die eigene Fahne: Vorfreude, Freude, dann nur noch Glauben… aber an was? Die Vorsehung, die gemeine, hatte das Kriegsglück gewendet - und die Heilige Johanna konnte ohne weitere verbündete Truppen (ja, die aus dem dunklen Hinterland, aus der Unterstadt, von allen geschmäht - aber aus ganz, ganz unterschiedlichen Gründen!) nicht gleich zum entscheidenden Triumph ziehen, nur ein Unentschieden war das Ergebnis des wilden Wallens und des Wogens. Wäre auch die Heilige Johanna eine Strategin, mindestens eine kluge Taktikerin, die mit dem Wort umgehen kann (wie der große Herold Roland!), dann hätte sie mit ihren Getreuen Kriegsrat gehalten und wäre zum Schluß gekommen: "Zur Vollendung des Sieges müssen wir mit denen aus dem Unterland reden. Selbstredend! Wir werden es tun." Und sie würde aus dem Gewinn einer Schlacht einen strategischen Sieg machen. Was wohl sonst?! Fragt den Strategen, wie man so was macht! Zumindest das könnte man aus der Geschichte lernen! Aber da setzte ein Grollen der Parteizwerge ein, im fernen Berlin, die gar keinen Wert auf einen politischen Sieg legten, errungen durch die Ungeliebte. Und die (die Zwerge!) längst die Banner und die Tröge der Gegner liebgewonnen haben… Sie krähten "Nein", "Nie", "Nie und nimmer". Und stimmten mit dem großen Herold ein großes - aber gemeinsames! - Heulen und Ächzen an, worob es dem doch wieder ganz warm ums Herze wurde. Auch ein Brutus mit dem Dolch im Gewande wandelte durch die Geschichte, vorgeblich einer der "Getreuen" der Heiligen Johanna, ein gewisser Walter von dem Hühnerhofe, lauernd auf das Lindenblatt auf dem Rücken unseres Helden Siegfried, nein, auf selbigem der Heiligen Johanna. Und prompt trat dann sogar der Hagen von Tronje auf das Feld, nein aus dem finstern Tann des Dunkels des Geschehens, des Odenwaldes - eine leibhaftige Freiheitskämpferin, eine verhinderte Bürgerrechtlerin, zu spät gekommen in der Geschichte, aber hoch motiviert, es den Unterdrückern von damals heim zu zahlen. "Nieder mit den Kommunisten!" erscholl ihr schauerlicher Ruf - wenngleich seit Dezennien ebensolche nicht mehr gesehen waren. Sie zeigte dem Publikum den Dolch, den gefährlichen, den vergifteten, den sie auf die Johanna richten wollte - sie zögerte öffentlich, alles hing an ihren Lippen, Funk und Fernsehen und alle möglichen Partei- und Politikgrößen aus allen Lagern (sogar aus denen der Heiligen Johanna!) verkündeten ihre große Bewunderung ob des ungeheuren Mutes, der Heiligen Johanna den Dolch gänzlich ungeschützt tödlich in den Rücken stoßen zu wollen. Und sie tat es. Alles jubelte überglücklich, daß die aus der Unterstadt "unten" bleiben müssen, verhindert für weitere fünf Jahre. Daß die "wahren" Herren der Zeit damit oben bleiben würden - interessierte es die Zwerge? Mitnichten. Zwerge blicken nicht weiter… Und da war es vorbei mit dem strahlenden Feldzug der Heiligen Johanna, die bei ihren persönlichen Getreuen unverändert sehr wohlgelitten ist (immerhin!), ihre Mannen zählten nun nicht mehr genügend Köpfe, und sie konnte die Schlacht, die entscheidende, im großen Ring, wo die Zählung erfolgt, nicht annehmen, mußte die Waffen strecken. Doch wie freuten sich da die Zwerge in der fernen Hauptstadt, die eigentlich die "Genossen" der Heiligen Johanna genannt werden sollten, daß man nun nicht mit denen aus dem Unterland reden muß, nein, nicht reden darf - und koste es die eigene - politische! - Zukunft. Keine Gespräche mit denen aus der Unterstadt: "Kommunismus" (haha!) oder Untergang. Sie wählten den Untergang. Aus freien Stücken. Wirklich? Oder auch, weil der ganze politische Hühnerhof anfing zu Greinen, zu Schauern, zu Krähen, zu Stöhnen - alle, die ohne die Schmuddelkinder auskommen wollen? Die stärkeren Bataillone, gewiß, mit Millionen wohl gepolstert. Was ja bekanntlich immer glitzernde Augen macht. Da walte der finstere Schröder drüber! Doch der Stratege lacht sich eins, zeigt sich bester Laune und weiß, daß ihm der Sieg nicht zu nehmen ist. Er wird ein bißchen gezergert, durch die Vorsehung - und? Den Hühnerhof läßt er hinter sich (ist er doch einer der Hähne des Hühnerhofs!). Er marschiert weiter. Zu Recht. Und: vielleicht hat der "Herr Lama" ja geraten: "Geduld, mein Freund, Geduld!"? Im Übrigen: der Stratege gruppiert seine Truppen bereits neu, zieht Hilfsvölker an Bord, die bis vor kurzem, bis zum großen Feldgeschrei gegen die Heilige Johanna, für ihn großes I-Bä-Bä waren… Ist das was zum Uffbaafe? Nee, nicht im Mindesten. Das ist kluge Politik. Daran erkennt man einen Strategen… - auch diesen. März 2008 |