Der 13. August... Die beginnt mit dem 8. Mai 1945, dem Zusammenbruch des Naziregimes, der Zerstörung eines Staates, einer ganzen Gesellschaft - und der Hoffnung auf einen Neu-Anfang. Ohne die Schuldiger und Täter der 1000 Jahre. Es gibt wohl kaum einen Linken welcher Art auch immer, der die real existiert habende DDR noch gut findet oder gar zurück haben möchte. Sahra Wagenknecht hat einen langen Weg zurückgelegt, um zu einer nüchternen Bewertung zu kommen. Für Linke heute, gleich ob aus dem Westen oder dem Osten der heutigen BRD, gibt es keinerlei Grund, Jahrzehnte nach der Staatsgründung, nach dem 13. August oder nach dem Zusammenbruch und Anschluß der DDR sich positiv oder negativ zur DDR zu artikulieren: es ist alles gesagt. Ich springe schon lange nicht mehr über Stöckchen, die mir hingehalten werden. Haben sich CDU, CSU, FDP und die anderen reaktionären Parteien der BRD jemals von den alten Nazis in ihren eigenen Reihen distanziert?! Eben. Gleiches Recht für alle. Zur DDR: Die Kommunisten/Sozialisten in der SBZ, dann DDR hatten fast keine Chance, doch sie waren bemüht, sie zu nutzen: sie, die gerade dem Nazireich entronnen waren, Gefängnis, "Z", KZ, Gefangenschaft (und die Wehrmachtssoldaten wußten, wie sie in Rußland gehaust haben - viele hatte vermutlich ein schlechtes Gewissen) und die ewige Angst vor Denunzianten und Gestapo überstanden hatten, wollten/sollten eine neue Gesellschaft aufbauen. Ohne die kleinste Regierungserfahrung, gegen eine feindliche, zumindest aber unwillige, gewiß aber unerfahrene Bevölkerung, unter dem Schutz der Sowjetarmee das Banner des Kommunismus für die neue Zeit hissen? Es gab Aufgaben, die leichter zu erfüllen waren. (Ich vermute, der Antikommunismus aus der Weimarer Zeit und dem Nazireich war noch sehr lebendig.) Walter Ulbricht war gewiß doktrinär und extrem mißtrauisch - aber wie viele treue Kommunisten haben im Hotel Lux jeden Morgen darauf gehorcht, wo die Stiefel-Schritte der NKWD anhielten? Das waren Erfahrungen, die sich nicht so leicht auflösen ließen - sie mündeten, ohne noch mehr ins Einzelne zu gehen, in Furcht vor denkenden Mitgenossen, in Mißtrauen, vermutlich auch in Angst vor dem eigenen Versagen. Die Institution Stalin will ich garnicht weiter anleuchten: alles zusammen waren die Gründungsbedingungen und -voraussetzungen in SBZ und DDR denkbar schwierig: Herkules hätte vielleicht eine größere Chance gehabt. Ist sich irgend jemand von den heutigen ach so klugen Linken/Sozialisten (oder was auch immer sie zu sein meinen) eigentlich dessen auch nur ein wenig bewußt? Sich heute, unter den machtvollen "Bajonetten" des übermächtigen Klassenfeindes zu distanzieren… das kann jeder kleine Scheißer, jeder Mitläufer, jeder Opportunist. Doch jede dieser Distanzierungen schädigt unsere eigene Sache - auf lange Zeit, auf eine Zeit, die sich dehnen wird bis an die Grenzen der Unendlichkeit. Ja, was unsere Sache angeht, ihre Chancen in der Zukunft (die Gegenwart überspringe ich schon mal), da bin ich ausgesprochener Pessimist. Warren Buffet war es, der kürzlich richtig verkündete: "Es ist Klassenkampf - und wir werden ihn gewinnen!" Das genau bringt es auf den Punkt: wir, die gewöhnlichen kleinen, namenlosen Sozialisten, sind Nichts(e) und Niemand(e). Doch bei "uns" also gibt es Leute, die fechten immer wieder die Kriege der Vergangenheit aus, bis zum Erbrechen - und die Anderen Siegen und Siegen. Die Trotzkisten lernen es nicht, die DKP torkelt, sogar Robert Steigerwald sieht die DDR heute anders als vor 1990, nur Gunter Ackermann ist sich treu geblieben… Die LINKEN? Peinlich, aber nicht untypisch in ihrer heutigen Zerrissenheit. So wird das alles nix, garnix. Modell Sozialismus? Gewiß doch! Mit freien, denkenden Individuen, die - wieder - über Gemeinschaftssinn verfügen, die nicht nur den Begriff Solidarität kennen, sondern damit sogar etwas anfangen können - der Zukunft zugewandt. Ja, die Kommunisten und Sozialisten hatten prächtige Lieder - wäre doch davon nur ein klein wenig im Bewußtsein der so viel zitierten Massen hängen geblieben. Doch zu viele SED- und DDR-Funktionäre waren miese Opportunisten, die die Sache, die wohl nicht ihre eigene war, kaputt gemacht haben. Und ich selbst? Kein Kommunist, kein Nachbeter, in langen 42 Jahren aktiver Sozialdemokrat - und nach dem zweiten Schröder'schen Wahlsieg endlich ausgetreten. Nur… das politische Maul halten… das will und kann ich immer noch nicht. Denn: ich lebe noch. |