Wahldaten aus Eschborn - was soll das?
Überlegungen, ganz am Rande?

Ist etwas Besonderes dabei, wenn man doch ohnehin an verschiedenen Stellen Wahldaten im Internet nachlesen kann? Ja, hier wird etwas ganz Besonderes geboten: in dieser Form und in dieser Vollständigkeit ist diese Sammlung einmalig. Warum?

Die "offiziellen", gewissermaßen "zuständigen" Anbieter (HSL, KGRZ) begnügen sich mit Gesamtübersichten: die Stadt Eschborn wird nur mit dem gesamten Wahlergebnis genannt, die Stimmbezirke sind höheren (Statistik-)Orts nicht relevant und eben deshalb kaum verfügbar, wenn sie älter als max. 10 Jahre sind. Die Stadt Eschborn selbst hat Daten, die älter als 10 Jahre sind, nicht systematisch abrufbereit gespeichert, ist jedoch kürzlich dazu übergegangen, für die Landtagswahl 1999 erstmalig bis ins Detail gehend Daten ins Netz zu stellen.
Völlig einmalig ist allerdings, daß durch diese Homepage Wahlergebnisse seit der ersten freien Wal nach Kriegsende (1946) der  Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Das wurde nur möglich, weil Siegfried Wurche, Ehrenbürger der Stadt Eschborn und Heimatforscher, über Jahrzehnte liebevoll und mit großer Umsicht Daten gesammelt hat. Die Quellen sind sehr vielfältig: von öffentlichen, vor allem aus der lokalen Presse, bis zu privaten Sammlungen, Notizen und Aufzeichnungen.

Die Daten stammen aus folgenden Quellen:

     Stadtverwaltung Eschborn
     Stadtarchiv Eschborn
     Historische Gesellschaft Eschborn e.V.
     Eschborner Stadtspiegel.
     Frankfurter Rundschau
     Höchster Kreisblatt
     Hessisches Statistisches Landesamt
     Kommunales Gebietsrechenzentrum

Dazu kommen aber auch Quellen, die ich "tertiär" nennen möchte: vor Jahrzehnten von dokumentierenden Zeitgenossen erstellte Übersichten, deren Daten nicht mehr überprüft werden können - trotzdem aber in die Darstellung aufgenommen wurden.

Nur in wenigen Fällen sind die Daten einer Wahl nicht bis zum letzten Ergebnis vollständig und schlüssig. Versuche, fehlende Daten herbeizuschaffen, waren außerordentlich mühselig; die angesprochenen offiziellen Stellen verfügten kaum über Daten, die älter als zehn Jahre alt waren. Mangels systematischer Archive blieb der eine oder andere wohlmeinende Ansatz zur Hilfe auf der Strecke.

Selbstverständlich stellt sich dem Beobachter auch eine ganz andere Frage: ist eine solche Sammlung überhaupt von Interesse? Für wen?

Jenseits des legitimen Wunsches, Wichtiges - für die lokale Geschichte - zu dokumentieren, ist eine Überlegung auch, die Voraussetzungen für soziologische Betrachtungen zu schaffen. Die Zuordnung der Straßen zu den jeweiligen Stimmbezirken ist über die Zeiten hinweg weitgehend unverändert geblieben, so daß gerade für die Stimmbezirke 1 (Am Stadtpfad), 5 (Bereich "Berliner Straße") und 6 (Hanseatenviertel) wichtige Verschiebungen bei den Wahlbeteiligungen wie bei den Wahlergebnissen kontinuierlich beobachtet werden können. Sie spiegeln im Kleinen z.B. Veränderungen in einem wichtigen Teil der ehemals SPD-orientierten (Stamm-) Wählerschaft wider hin in die politische Teilnahmslosigkeit (eklatante Rückgänge der Wahlbeteiligungen) wie auch die Hinwendung zu opponierenden neuen Wählergruppen.

Reichstagswahlen
Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Das Studium des Höchster Kreisblattes, beginnend mit den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts, zeigte, daß auch manches über Eschborner Stimmergebnisse zu finden war, hin bis zu den Stichwahlen und den Wahlergebnissen des Wahlkreises. So habe ich dann nicht nur die Eschborner und, sofern verfügbar, auch die Niederhöchstädter Ergebnisse aufgenommen, sondern auch die des MTK (ab 1928); damit das Vergleichen ein wenig mehr Spaß macht, habe ich dann aus anderen allgemein verfügbaren Quellen auch die Gesamtergebnisse aller Reichstagswahlen seit 1876 aufgenommen.

So spiegelt sich doch einiges wider über den Reichstag der Kaiserzeit wie der Weimarer Republik, dazu die Reichspräsidentenwahlen und die Ergebnisse der Volksabstimmung zur Fürstenenteignung.

Einwohnerzahlen Ende des 19. Jahrhunderts
Auch dazu ließ sich einiges sammeln, das uns zeigt, daß Eschborn auch damals schon ein nicht unwichtiger Punkt auf der Landkarte war.

Niederhöchstadt -
wo bleibt dieser Stadtteil mit seiner (Wahl-)Geschichte? Das hat bereits der eine oder andere gefragt. Es ist gelungen, Wahldaten aus der damals selbständigen Gemeinde Niederhöchstadt aus den Jahren 1948 - 1970 "auszugraben". Alles keine Originaldaten und auf Richtigkeit nicht mehr zu überprüfen. Aber sicher gerade auch für den lokalen Betrachter von erheblichem Wert.

Straßenverzeichnis Eschborn
Alle Straßen der Stadt Eschborn sind in eine gesonderte Tabelle aufgenommen worden und zeigen auf einen Blick die aktuellen Stimmbezirke, die Wahllokale und die Zugehörigkeit zu den Stadtteilen.