Moralischer Anspruch der “Gesellschaft” auf das
Organ-Spenden durch Mitmenschen?
Sind wir wieder so weit? Die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft macht immer wieder große Sprünge - wir erklimmen soeben einen neuen Höhepunkt. Wieso? In der Zeit der Sklaverei beherrschte der "Herr" seinen Sklaven in jeder
Weise: arbeiten lassen, auspeitschen, vergewaltigen, verkaufen oder umbringen. In der Zeit der Religionsherrschaften (Christentum, Islam) gingen diese "Rechte" auf die Inhaber der religiösen Macht über, oft dargestellt durch weltliche ausführenden Organe: Unterdrückung, Folterung, Verbrennen. Überwunden haben wir die Zeiten der jüngeren Despotien - wir behaupten, heute in einer Demokratie zu leben: das ist eine Gesellschafts- (und Herrschafts-)form, in der das Individuum vorgeblich
unveräußerliche Menschen-Rechte besitzt, jederzeit den Rechtsmittelweg beschreiten, für die Durchsetzung demokratischer Menschenrechte in - fremden! - Gesellschaften "kämpfen" lassen kann. Und in der eigenen, ach so vorbildlichen Gesellschaft? Heute hat sich der deutsche Mensch mit seinem ganz Körper wieder in den Dienst an der Gesellschaft zu stellen ("früher" was das der Gefolgschafts-Angehörige im Dienst der Volksgemeinschaft): als Ersatzteillager, für wen auch immer
- mit dem Nutzen ist es nicht genau so: da zeichnen sich andere Perspektiven ab, dunkle, lukrative, logo! So wogt heute der Streit, ob der deutsche Volksgenosse keinerlei Recht auf seinen Körper hat, auf körperliche Unversehrheit über den Tod hinaus - oder ob er sich entscheiden darf, dabei an den moralischen Pranger gestellt werdend: ein Egoist, ein Gemeinschaftsschädling zu sein, ein verantwortungsloser
Geselle. Goldig die Autorin: es sei nun wirklich nicht zu viel verlangt, wenn der Mensch sich einmal im Leben für oder gegen das eigene Organ-Spenden erklären möge. Hat jemand einen begründeten oder gar - moralisch! - vertretbaren Anspruch auf Teile meines Körpers? Ist mir da 'was entgangen? Mit Verlaub: bei soviel Impertinenz (oder ist es nur forcierte Gedankenlosigkeit?) stockt mir der Atem. Sind wir schon
wieder so weit? Himmel hilf - unsere Gutmenschen sind besoffen. Ganz ohne Hirn… Und das alles in einer Gesellschaft, in der Millionen Menschen ohne Arbeit, ohne Mindestlohn, ohne jegliche Sicherheit für Gegenwart und Alter auskommen müssen: wo bleibt da die vollauf berechtigte Empörung?! Nein es häufen sich die Indizien für eine verkommene Gesellschaft. 12.6.11 |