Der Islam gehört zu Deutschland. Geht's noch?

Warum schreiben potentiell vernunftbegabte Journalisten einen solchen Scheiß zusammen? Warum lassen sich alle eine solche Auseinandersetzung aufzwingen? Reflexartig über jedes Stöckchen springen?

Um was geht es denn wirklich?

Religion ist zwangsweise seit Jahr und Tag wieder in aller deutscher Munde. Die Dome sind leer, seit Jahrzehnten, die "Gläubigen" bleiben zuhause, glauben nicht mehr. Doch die sichtbare PR-Macht der Kirchen leidet darunter nicht. Ergo: Kreuze überall, alle möglichen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, Religionsunterricht möglichst für alle. Als "ordentliches Lehrfach". Schön separatistisch getrennt. Ethik für alle? Teufelszeug, um jeden Preis zu verhindern.

Also jetzt auch um jeden Preis muslimischer Religionsunterricht, tunlichst für alle Kinder aus vorgeblich muslimischen Ländern. Ob die Eltern das alle wollen? Nicht wirklich wichtig. Muslimische Lehrer? Gibt es nicht? Macht nix, bilden wir hier selbst aus. "Wir"? Vermutlich machen das christliche Professoren, Lehrbeauftragte usw.: "Wir" können das, der Islam braucht bekanntlich unsere aufklärerische Hilfe.

Religion also überall, in jeder Ecke, in jeder Gemeinschaft - ungefragt, Ehrensache. Wo ist der gravierende Unterschied zu auch offiziell streng religiösen Ländern? Wie Iran, Saudi-Arabien, USA (größte Teile)?

Jetzt wird hier also "der Islam" hofiert. Nachdem jahrhundertelang das Judentum und seine Träger, die jüdischen Menschen, drangsaliert, gequält, denunziert, umgebracht worden sind, erschafft der Bundes-Wulff jetzt die christlich-jüdische Symbiose! Es ist zum Röcheln! Und schon folgt der Super-GAU der Logik der Aufrichtigkeit: jetzt gehört auch der Islam zu Deutschland.

Was soll das heißen?! "Die" Religion ist wieder das Maß aller Dinge? Für jeden, all-überall, auf jedem Marktplatz, in jedem Gedanken? Nach 250 bis 300 Jahren schmerzlichster Aufklärung? Alles für die Katz'? Wir fangen wieder von vorne an - Religion tatsächlich als das Maß aller Dinge?

Den beiden Großkirchen gehören offiziell jeweils ein Drittel aller Deutschen an: vor allem als Steuer- und Zähl-Bürger. Ein paar Millionen sind "offiziell" Muslime, davon wenige Zehntausende in den islamischen Vereinen organisiert - gewiß nicht vorwärts gerichtet. Doch Millionen Menschen sind aus den Kirchen ausgetreten, haben ihnen nie angehört, sind Freigeister, Freidenker, auch Un-Erklärte.

Doch von denen wird nicht gesprochen, die existieren nur für Insider. Da hat noch kein intellektueller Großlautsprecher getönt - oder gefordert! - "Die Atheisten und Freidenker gehören zu Deutschland!" - nein, die sind nicht-existentielles Freiwild für die politische Kultur.

Jetzt also ergebenste Kniefälle vor dem Islam - getreu der Maxime "Wenn schon nicht christliche, dann aber islamische Religion": Hauptsache: Religion. Das in voller Kenntnis, daß der Islam keine leuchtenden Seiten mehr erkennen läßt - ganz anders als in der Zeit der Mauren.

Nein, liebe Mitmenschen, Religion ist Privatsache: Privatsache eines jeden einzelnen Menschen. Da hat auch nicht der Familienvater über die Seinen sein Regiment auszuüben. Aber in Deutschland, dem Land der Untertanen, gebeugt immer noch durch die mit- oder nacherlebte Nazizeit, macht man einen Kniefall nach dem anderen: die Gerichte, Lehrer, Schulen, Medien. Da will keiner abseits stehen.

Ethischer Humanismus für alle und Freies Denken: danach sollten die Reden, vor allem aber die Taten der politischen oder religiösen Lautsprecher beurteilt werden. Alles andere ist inkonsequent, ja, verlogen. Da sollte es eigentlich keine Zweifel geben, wo aufgeklärte Geister ihren Stand haben…
(7.3.11)