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Ted Honderich: “Nach dem Terror - Ein Traktat”
Juden und andere Gutmenschen haben sich schon im letzten Jahr in GB seltsam empört gegeben - und dabei gezeigt, wie man doch so herrlich blind auf einem Auge sein kann, wenn man dort partout nicht sehen will. Ted Honderich, der angesehene Philosoph, hat sich mit all den schlechten Leben befaßt, die es in der Welt
gibt. Mit dem Leben all der Menschen, die dank direkter wie indirekter Ausbeutung, dank Unterdrückung durch die ebenso politisch wie wirtschaftlich Mächtigen, im Elend leben. Und damit einfach nicht zufrieden sein wollen.
Ergebnis: der Widerstand gegen die “westliche” (d.h. vor allem US-amerikanische) Kultur + Macht wächst, verdichtet sich zu Widerstand, der kulminiert in Aktionen, die im freien Westen dann flugs “Terror” genannt werden (wenn man selbst Opfer
ist), für den der reine, freie Westen in seiner vollständigen Unschuld überhaupt keine Ursache sieht: und erst recht keine Begründung, keine Schuld, kein Zusammenwirken von Ursache und Wirkung.
Nun, Ted Honderich befaßt sich mit diesem Thema, gründlich, markant, nennt Ross und Reiter. Dummerweise, und das ist höchst unbotmäßig, blickt er dabei u.a. explizit immer wieder auf Israel, auf den seit 1947 (mindestens!) bestehenden Terror, der 1968 noch stärker ausgeweitet wurde: geografisch
wie auf die Zahl der Menschen gesehen.
Die betroffenen Menschen, die Palästinenser, die in völliger Apartheid gehalten werden, verdammt rechtlos und ohne Zukunftsperspektive, hatten irgendwann gründlich die Schnauze voll - und Israel befand sich in der ersten Intifada. Knochenbrecher Rabin, das später so verehrte Vorbild, hatte seine eigenen Methoden, dagegen vorzugehen. Das Ergebnis war, da Israel hart zuschlug (man denke im Vergleich nur an die “Bandenbekämpfung” der
Wehrmacht in der Sowjetunion), daß dreimal so viele Palästinenser wie Juden bei den Opfern zu zählen waren. Für Israel, und den Rest der “freien” Welt, zählten nur die eigenen.
Mit “Oslo” wurde eine neue Platte aufgelegt - die Palästinenser wurden auf noch spätere Zeiten vertröstet, sie wurden systematisch hingehalten, verarscht auf der ganzen Linie.
Scharon, der dann die Direktwahl zum Ministerpräsidenten gewinnen wollte, machte den voll
provokatorischen Husarenritt auf den Tempelberg. Der gewünschte Eklat war da, die zweite Initifada war erfolgreich losgetreten. Israel gab sich mit jedem Tag beleidigter, schaffte immer mehr Opfer unter den besetzten und versklavten Palästinensern - nahm nie Ansätze von eigenem Terror war (wer ist in Palästina eingedrungen? Die Juden oder die Palästinenser, die dort seit ewig langen Zeiten ununterbrochen leben?). Jeden Tag neue Fälle von israelischem Terror, gezielte Morde durch die
Staatsmacht, Sippenhaftung (wie bei den Nazis), Zerstörung von Häusern, Krepierenlassen von Menschen an den zahllosen Kontrollpunkten, auch dann, wenn sie ganz dringend auf dem Weg ins Krankenhaus sind. Interessiert das jemanden? Die Jüngelchen, die als Soldaten der Gerechtigkeit völlig gefühllos ihren Job tun (Jahwe sei Dank, daß es Ausnahmen gibt!), Palästinenser herablassend bis schamlos behandeln, demütigen bei jeder Gelegenheit. Ja, das schafft Freunde, Sympathie und Verständnis. Sollte
man meinen. Oder vielleicht doch nicht? Hat in Soffjetrußland doch auch funktioniert - die Wehrmacht war beliebt ohne Ende...
Ted Honderich nennt Ursache und Wirkung unmißverständlich beim Namen: Terror durch Israel - die übel beleumdeten Palästinenser stehen “nur” für Gegenterror. Sie wehren sich gegen eine Besatzung, die nach israelischem Willen ruhig noch bis in alle Ewigkeit dauern kann - man hat sich ja ganz gut eingerichtet.
Daß Ted Honderich den
palästinensichen Freiheitskampf respektiert, bringt ihm Kübel von Zorn, von Beleidigungen und Diffamierungen ein: er wird zum “Antisemiten”, weil er ein barbarisches Unterdrückungssystem schonungslos beim Namen nennt. Denn: das tut “man” nicht... Nicht bei uns.
Die hiesigen Gutmenschen bekamen in der FR (und anderen Blättern) reichlich Raum eingeräumt, um ihre Thesen vom angeblichen Haß des Berichterstatters und Aufklärers Honderich zu verbreiten - kein Wölkchen
trübt ihre Sicht auf das langwährende Terrorregime des Staates Israel.
Der nun wirklich angesehene Verlag Suhrkamp hat, wie ultimativ verlangt, schleunigst ebenso reu- wie demütig den Kopf eingezogen... und wirkt mit bei der Nichtverbreitung von Tatsachen: das Buch wird nicht erneut aufgelegt, die Rechte werden zurück gegeben - und die wahrlich lesens- wie diskussionswürdigen Gedanken und Berichte Ted Honderichs werden aus dem deutschen Bewußtsein getilgt. “Du sollst keine Götter
neeben mir haben... war da nicht mal ‘was?
Freiheitskämpfer? Die gab es nur im Aufruhr gegen “die Kommunisten”. Im Westen gibt es nur Terroristen, die gegen die jeweils herrschende Ordnung sind. (Am Rande: ich habe mein Exemplar des Buches noch bei amazon.de erhalten.)
Ja, liebe Mitmenschen so viel p.c. muß sein. Wer so weit ist, kann dann “den Islam” zum neuen großen feindlichen Satan aufblasen. Das gibt vermutlich viele, viele gute Gefühle...Und
verlangt noch mehr Gefolgschaftstreue. 24.8.03 |