Ein komplexes Thema:
Jüdisches, Israel, Deutsches, Palästina, Juden, Israelis, Palästinenser... Menschen und Probleme. Ohne Ende?


So vieles hängt mit einander zusammen. Und so vieles ist unklar, verschleiert - anderes hinter Nebelvorhängen versteckt. PR spielt eine ganz große Rolle, wenn es um das jetzige Wirken der israelischen Regierung geht. Aber diesen Vorzug genießen und genossen auch die Regierungen Israels seit 1967, als arabisches Gebiet (Jordanien!) besetzt - und nie mehr frei gegeben wurde. Ganz entgegen dem Völkerrecht. Und entgegen vielen UN-Resolutionen, die Israel nicht beachtet.
Israel ist dabei in einer sehr komfortablen Lage: außer ein paar machtlosen, und daher problemlos  zu ignorierenden Arabern verlangt niemand die Einhaltung des Völkerrechts, die Beachtung der UN-Resolutionen - kurz die Freigabe der seit 1967 widerrechtlich besetzten Gebiete. Maßstab für die “freie Welt” ist ausschließlich der egoistische, ja, absolut selbstherrliche Standpunkt Israels. Eine andere Form von Wiedergutmachung? Haben noch soo viele Staaten ein schlechtes Gewissen? Oder geht es vielleicht nur ganz einfach um Imperialismus, Brüder unter sich?


Die Palästinenser haben sich schon weitgehend damit abgefunden, daß Israel die sonstigen Gebiete, die es den Palästinensern in verschiedenen Kriegen abgenommen hat, nicht wieder hergibt. Aber nichtsdestoweniger macht sich Israel in den 1967 besetzten Gebieten breit - breit für alle Ewigkeit. 200.000 Juden, inländische, amerikanische, russische, sind dort mit ganz viel öffentlichem Geld angesiedelt worden - in teils sehr komfortablen Häusern und Wohnungen, mit viel Land und noch viel mehr Wasser.
Alle israelischen Regierungen haben Siedlungen gebaut - auch die von Labour gestellten. Alle haben stets ihren unbedingten Friedenswillen beteuert - doch der Siedlungsbau ging unverdrossen weiter. Noch keine israelische Regierung hat bislang auch nur den kleinsten Schritt getan, das Unrecht von 1967 ff aufzuheben oder auch nur zu lindern. Selbst nach dem hoch gerühmten Osloprozeß ging der Siedlungsbau fröhlich weiter - als wäre nichts gewesen. Die Palästinenser wurden hingehalten, mit Arafat wurde verhandelt, an Arafat wurden Forderungen gestellt - der Siedlungsbau ging weiter, begleitet von immer mehr Militärstraßen, die nur Juden bzw. Israelis nutzen dürfen. Und in Jerusalem wurden die Palästinenser systematisch in die Enge gedrängt: immer mehr Juden siedelten sich an, immer weniger Palästinenser erhielten eine Baugenehmigung - und bauten sie “ohne” oder angeblich ohne, dann werden diese Häuser von jüdischen Baggern ganz schnell wieder eingerissen. Von wegen “Recht” und so.
Doch Israel, das regierungsamtliche, wundert sich angeblich, daß die Palästienser diese Juden nicht lieben, nicht mögen, ja möglicherweise sogar zum Teufel wünschen.

Damit das alles mal eine richtige Nase ins Gesicht bekam und damit endlich einmal der Stillstand überwunden werde, machte Scharon, der Mörder-Schützer von Shabra und Schatila, seinen berühmten Gang auf den Tempelberg. Warum gerade auf den Tempelberg? Hätte er nicht genausogut einmal zur Hölle fahren können, wenn er ein heißes Gefecht erleben will? Tempelberg - mit dem gewünschten Ergebnis, daß die Palästinenser in die Falle gingen und einen neuen, immer tödlicher werdenden Prostest begannen. Zweite Intifada - jeder Tag ist schlimmer als der vorherige, immer mehr Tote und Verletzte - auf beiden Seiten; aber fünf mal so viel auf der Seite der palästinensischen Opfer. Doch geredet wird nur von den jüdischen Opfern, pardon: den israelischen. So viel Ordnung - oder Gerechtigkeit - muß sein.

Die Palästinenser können den hochgerüsteten Israelis nichts entgegensetzen: keinen einzigen Panzer, kein Flugzeug, keinen einzigen Kampfhubschrauber, keine Artillerie, keine Bomben, keine Raketen - einfach nichts. Das ist eine Lage, die den Israelis schon gefallen könnte, die sie noch weitere Jahrzehnte durchhalten könnten, ja, sogar richtig voller Duldungsbereitschaft. Nicht daß sie etwa bösartig wären oder gar hochmütig, nein, auf keinen Fall - sie finden bei den verdammten Palästinensern nur keinen verdammten Mistkerl, der die Kapitulationsurkunde unterschreiben will: freiwillig, demütig, mit einem lieben Blick im Gesicht. Sie finden einfach niemanden - was sollen sie da machen? Ich in meiner grenzenlosen Naivität fordere immer wieder den israelischen Rückzug - einfach so, um das seit 1967 währende Unrecht zu beenden. Ich denke, die Israelis könnten sich in ihre Panzer und Lkws setzen, ihren lieben Siedlern Umzugswagen und Umzugskartons stellen.... und ab geht die Reise ins Reich. Entschuldigung, nicht ins Reich: ins israelische Kernland. Und der erste Schritt zum Frieden könnte getan sein. Ein richtiger freier selbständiger Staat der Palästinenser könnte entstehen, in gesicherten Grenzen, lebensfähig, friedlich... und der Zukunft zugewandt.

Dann könnte israelische Entwicklungshilfe folgen, Wiedergutmachung des riesigen Unrechts, Hilfe beim Aufbau des eigenen Staates und einer leistungsfähigen Infrastruktur (die Israelis sind zweifellos tüchtige Leute), Hilfe beim Aufbau einer leistungsfähigen und exportorientierten Landwirtschaft, damit Devisen ins Haus kommen. Israel könnte so vieles tun, wenn es endlich einmal das ganz hohe Ross des Hochmuts verlassen würde.

Aber gibt es eine Spur, die dahin führt? Eine einzige nur? Nein, nicht im mindesten. Im Gegenteil. Israel sieht sich als armes kleines Opfer, das von den furchtbar großen palästinesischen Goliaths immer wieder getreten wird. Und: Israel verbittet sich mutig und mannhaft jegliche Kritik an seinem Tun. Weil man sich ja nur “verteidigt”, sog. Gerechtigkeit bemüht ist herzustellen. Sieht jemand das nicht so, kritisiert er das israelische Verhalten, dann kriegt er aber die Moralkeule um die Ohren gedonnert - dann wird er als Antisemit entlarvt. Und an jeden erreichbaren Pranger gestellt. Ja, es werden auch immer mehr Pranger gebaut, der Bedarf dafür wächst - die Gutmenschen, gerade in Germanistan, passen da gar schröcklich auf.

Genug der bösen, der verwerflichen Gedanken - wollte ich doch nur überleiten auf eine Tabelle von Büchern, die sich mit Israel und den Juden, mit Palästina und den Palästinensern befassen, aber auch den deutschen Kontext nicht vergessen. Denn: alles hat eine lange Geschichte. Und überall wird gehobelt, bis die wahre Geschichte garnicht mehr zu erkennen ist - so viel Weihrauch ist darüber gehaucht worden. Ich habe 1994 eine Studienreise nach Syrien, Jordanien und Israel gemacht - gerade, als der Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel abgeschlossen wurde,  eineinhalb Stunden zuvor waren wir noch beim jordanischen Informationsminister zu Gast, der sich dann verabschieden mußte, weil er seinen König zu einem wichtigen Termin begleiten mußte: der Friedensvertag war geboren. Für mich war der Aufenthalt mit seinen ganz vielen Gesprächen, Informationen, Diskussionen und Besuchen vor Ort, auch mit Siedlern und bei der PLO, Anlaß, mich künftig sehr intensiv mit dem Thema zu befassen. Das Ergebnis: während ich zuvor mehr mit dem Weggucken befaßt war (das schlechte Gewissen auch des Nichtschuldigen drückte mich), gewann ich dann immer mehr eigene Kenntnisse und dann Erkenntnisse: ich gewann einen eigenen Standpunkt. Immerhin. Ich erlaube mir, das israelische Verhalten streng zu beurteilen (und: zu verurteilen), weil ich einen hohen Respekt habe vor jüdischen Leistungen auf nahezu allen Gebieten, die der Menschheit etwas bedeuten. Und das bedeutet für mich, daß ich als gewöhnlicher Demokrat und Humanist zu dem immerwährenden israelischen Unrecht, gegenüber einem nahezu wehrlosen Opfer, nicht schweigen darf.
Und, damit kein Auge trocken bleibt: wäre Israel irgendein kommunistischer Staat (oder Rußland), keine Frage, in der ganzen sog. freien Welt gälten die Palästinenser als heldenmütige Freiheitskämpfer, die bewunderungswürdig Widerstand leisten gegen die permanente, nicht enden wollende Unterdrückung durch einen allmächtigen Goliath. Da frage ich doch mal: ist das nicht wirklich die zutreffende, die korrekte Proportion, um das immerwährende Unrecht zu beschreiben und zu bewerten? Ich denke: ja, eindeutig. Und deshalb lege ich an das schreckliche Verhalten des Staates Israel einen anderen, einen viel strengeren Maßstab an, als wenn es sich um einen x-beliebigen Revolverstaat handeln würde.


Die empfohlenen Bücher mögen auch dem einen oder anderen Suchenden vielleicht eine kleine Hilfe sein.

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